Fahrt in die Volta-Region

Nach einer Übernachtung in Accra, der Hauptstadt Ghana’s, beginnt der zweite Teil der Rundreise. Er führt uns in die Volta Region im Südosten des Landes. Sie erstreckt sich von der Küste aus in länglicher Form rund 400 Kilometer nach Norden und ist in ihrem mittleren Teil mit Höhen bis 800 Metern die gebirgigste Region Ghana’s. Es ist eine wald- und wasserreiche Gegend, die durch den Volta (Fluss) geprägt wird. Die nächsten Tage wird uns Kofi, Susannes Ehemann, als Reisebegleiter zur Verfügung stehen. Gegen halb elf Uhr morgens holt er uns in seinem Privatwagen, einem Nissan, am Hotel in Accra ab. Zusammen mit seinem Fahrer Winfried haben wir mit vier Personen genügend Platz in seinem Auto. Bis Atimpoku sind es rund 100 Kilometer. Die Fahrt über die Autobahn N1 und N2 ist angenehm, führt durch abwechslungsreiche Landschaften und erscheint mir relativ kurz. Die Straßenverhältnisse sind ausgesprochen gut, kein Vergleich zu den schlechten Straßen in der Ashanti Region.

Der Fluss Volta

Der Volta erstreckt sich über eine Gesamtlänge von ca. 1500 km. Er hat drei Quellflüsse, die alle in Burkina Faso entspringen. Der Schwarze Volta bildet stellenweise die Grenze zwischen Ghana und der Elfenbeinküste sowie Ghana und Burkina Faso. Der Weiße Volta mündet in Ghana in den Voltasee. Der Rote Volta fließt in südlicher Richtung nach Ghana und mündet schließlich in den Weißen Volta. Am Voltasee wurde in den siebziger Jahren ein großer Staudamm errichtet. Er dient nicht nur der Stromerzeugung, sondern auch dem Hochwasserschutz. Der so entstandene Stausee bedeckt etwa ein Zehntel des Volta-Beckens und soll etwa so groß sein wie das Wattenmeer der Nordsee. Atimpoku, unser heutiges Ziel, liegt rund 10 Kilometer südlich vom Akosombo-Staudamm.

Übernachtung in der Aylos Bay Lodge

Kurz vor unserer Unterkunft verlässt uns Kofi. Er übernachtet in Atimpoku in einem einfachen Stadthotel. Das hat private Gründe, die ich nicht öffentlich machen darf. Winfried fährt mit uns weiter zur nahe gelegenen Aylos Bay Lodge. Wir beziehen einen kleinen Bungalow mit Bootssteg direkt am Ufer des Volta gelegen. Wir sind überrascht über den Komfort und den schönen Ausblick auf das Wasser. Es ist Mittagszeit und wir essen einen Toast und trinken eine gut gekühlte Cola (immer nur im Urlaub gibt es Cola!). Danach gehen wir zu Fuß zurück in den Ort.

Adomi-Brücke in Atimpoku

Mittelpunkt des Ortes ist eine große Brücke, die den Autoverkehr der N2 aufnimmt. Die Adomi-Brücke ist von Accra aus die einzige Möglichkeit, die östlich vom Volta-Stausee befindlichen Orte mit dem Auto zu erreichen. Mit einer Spannweite von rund 250 Metern und einer Länge von 336 Metern ist sie die längste Brücke in Ghana. Noch vor der Unabhängigkeit Ghanas wurde unter britischer Kolonialherrschaft mit dem Bau begonnen, die Fertigstellung erfolgt schließlich kurz nach der Unabhängigkeit im Jahr 1957. Zwischen 2013 und 2015 wurden Fahrbahndecke und Hängeseile umfangreich saniert. Die imposante Stahlkonstruktion hebt sich deutlich von der sie umgebenden üppig grünen Vegetation ab und bietet sich somit als ein schönes Fotomotiv an. Wir gehen über die Brücke auf die andere Seite des Volta. Auch hier befinden sich wieder Händler, die den Autofahrern ihre Waren darbieten. Wir machen eine kleine Pause und beobachten ein wenig das Geschehen um uns herum. Wieder zurück im Ortszentrum schlendern wir über den Markt. Bei einer der Frauen kaufe ich eine kleine Flasche Mineralwasser für 2 Cedi (1 Cedi entspricht rund 20 Cent) und ein paar Meter weiter einen Beutel mit klein geschnittener frischer Ananas für 1 Cedi. Es gibt immer wieder Frauen, die am Straßenrand frisches Obst verkaufen. Sie zerteilen die Früchte vor Ort in mundgerechte Stücke, was sehr praktisch ist. Die Ananas in Ghana hat eine etwas längliche Form und ist zuckersüß, kein bisschen säuerlich, so wie bei uns.

Bootsfahrt auf dem Volta

Dann treffen wir Winfried, unseren Fahrer. Er hatte uns gesucht und fragt nun, ob wir eine Bootstour auf dem Volta machen möchten. Wir verabreden uns für den späten Nachmittag. Er holt uns in unserer Lodge ab und gemeinsam gehen wir zum Nachbarhotel Continental. Wir müssen noch eine Zeitlang auf den Bootsfahrer warten und nutzen die Gelegenheit, uns diese Hotelanlage ein wenig anzusehen. Offensichtlich wird sie von den etwas wohlhabenderen Ghanaern genutzt. An sich ist die Hotelanlage mit ihrem schönen großen Swimmingpool recht ansprechend. Was uns aber gar nicht gefällt ist die für Ghana typische laute Musik. Da lobe ich unsere etwas einfacherer, aber ruhige Unterkunft. Endlich, nach einer guten halben Stunde können wir das Boot besteigen. Zuvor müssen wir noch die Schwimmwesten anlegen! Die Oberfläche des Flusses ist spiegelglatt, nur das Boot hinterlässt seine Spuren. Unterwegs sehen wir am Flussufer einige einfache Hütten, die offensichtlich bewohnt sind. An einer Stelle legt unser Bootsfahrer kurz an. Sein Vater erwartet ihn dort. Der Sohn steckt ihm einen Umschlag (mit Geld?!) zu. So sorgen die Jungen für die Alten. Meine Gedanken gehen zurück nach Deutschland. Wie ist das denn bei uns. Da sorgen die Eltern für die Kinder. Umgekehrt geschieht das oft nur zwangsweise, wenn das Sozialamt Pflegekosten zurückfordert. Wir setzen die Fahrt auf dem Volta fort und genießen die Stille und die Natur. Ab und zu begegnet uns ein einheimischer Kanufahrer. Dann sehe ich an Land eine größere Ferienanlage. Sie passt sich mit den reetgedeckten Häusern gut der Landschaft an. Mir scheint, es ist eine Herberge der gehobenen Art, die ich hier gar nicht vermutet hätte. Aber für die Reichen dieser Welt gibt es überall Luxus, egal wie arm die übrige Bevölkerung ist. Warum sollte das in Ghana anders sein. Später muss ich meine Meinung allerdings revidieren. Ich habe zuhause im Internet recherchiert und erfahren, dass der Sajuna Beach Club ein Freizeitzentrum ist, das allen bei freiem Eintritt zur Verfügung steht. Man kann dort mit Familie und Freunden Grillfeste und Sportveranstaltungen organisieren. So kann man sich irren. Nach dem Abendessen in der Lodge bitten wir Winfried zu uns an den Tisch und spendieren ihm ein Bier. Die Unterhaltung ist etwas schwierig, da sein Englisch ein wenig speziell ist! Aber irgendwie - mit Händen und Füßen - gelingt dann doch ein Gespräch. Die Tage in Afrika sind kurz. Wir bemerken, dass das Personal schon alles zusammenräumt und nach Hause möchte. Dem wollen wir nicht im Wege stehen. Wir trinken in Ruhe das Glas Bier aus. Und wieder geht ein Tag in Ghana mit vielen Eindrücken und Erlebnissen zu Ende.
Teilen mit:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.