Central Market in Kumasi

Abgesehen davon, dass auf allen Straßen in Ghana ständig irgendwelche Waren angeboten und verkauft werden, so dass mir manchmal das ganze Land wie ein einziger Markt vorkommt, gibt es natürlich auch noch so richtig große Märkte! Einen solchen werden wir in Kumasi, der zweitgrößten Stadt in Ghana, besuchen. Bismarck setzt uns am frühen Vormittag an einem nahe gelegenen Parkplatz im Zentrum von Kumasi ab und wir gehen gemeinsam mit Gabriel zum „Central Market“. Der Marktplatz ist etwas tiefer gelegen, so dass wir zunächst einen guten Überblick von dem bekommen, was uns in den nächsten Stunden erwartet. Wir schauen herab auf das Meer von grauen Wellblechdächern und großen, bunten Schirmen, die gleichermaßen Schutz vor Sonne und Regen gewähren. Laut Reiseführer soll dieser Markt so groß wie etwa 14 Fußballfelder sein! Nachgemessen habe ich das nicht. Bevor wir die schmale Treppe hinunter gehen, hole ich noch einmal tief Luft. Ich denke bei mir, jetzt bloß nicht den Reiseleiter verlieren. In diesem Labyrinth würde ich den Ausgang später niemals wiederfinden. Aber Gabriel achtet gut darauf, uns nicht aus den Augen zu verlieren. So langsam entspanne ich mich. Wie so oft auf großen Märkten, ist auch dieser in unterschiedliche Bereiche unterteilt. Wir beginnen bei den Handwerkern. Ein lautes Hämmern begleitet unseren Weg. Hier werden vor allem Gebrauchsgegenstände, wie zum Beispiel Blechschüsseln in allen Größen, hergestellt. Praktisch und einfach sollen die Gegenstände sein, nicht so kunstvoll verziert wie in der arabischen Welt. Mit dem Versprechen später Fotoabzüge nach Ghana zu schicken, lassen sich viele bereitwillig fotografieren. So entstehen ein paar schöne Porträts der Handwerker. Schließlich kommen wir in einen anderen Bereich, wo Lebensmittel feilgeboten werden. Alle Arten von geräuchertem und getrocknetem Fisch warten kunstvoll und akkurat gestapelt auf Abnehmer. Ein paar Schritte weiter gibt es Tomaten und Zwiebeln in Hülle und Fülle. Die leeren Holzkisten, die sich im Hintergrund stapeln, sorgen zusammen mit den großen Marktschirmen für ein wenig Schatten. Immer tiefer tauchen wir ein in dieses Labyrinth von schmalen Wegen, als plötzlich ein paar Marktfrauen anfangen zu singen und zu tanzen. Die Stimmung wird immer ausgelassener und sie nehmen mich in ihre Mitte, so dass ich mittanzen muss. Nach kurzem Staunen gebe ich meinen inneren Widerstand auf und überlasse mich dieser ungewohnt heiteren Stimmung. Kofi erklärt uns später, dass wohl alle in Kumasi sehr froh über den Ausgang der Wahlen waren, denn nun ist einer der ihren (aus der Ashanti-Region) zum Präsidenten gewählt worden, und sie erhoffen sich davon Vorteile. Wir gehen weiter und entdecken einen Berg von europäischen Schuhen, die wahrscheinlich über Altkleider-Sammlungen ins Land gekommen sind. Vor dem Verkauf werden sie alle sorgfältig abgeseift und in der Sonne zum Trocknen ausgebreitet. Die Auswahl ist groß und viele sind in noch gutem Zustand. In welchem Überfluss wir doch leben, dass wir uns von all diesen schönen Schuhen ohne zu Zögern getrennt haben. Dieser Markt ist ein riesiger Supermarkt, denn es gibt nicht nur frische Lebensmittel, sondern auch in Dosen und Tüten abgepackte Nahrungsmittel, Süßigkeiten, Getränke und Drogerieartikel. Hier gibt es einfach ALLES! Man muss es nur finden. Allmählich leide ich unter Reizüberflutung. Die Enge, der Lärm, die vielen Gerüche und auch die Hitze machen mir zu schaffen. Als Gabriel uns dann noch durch die „Frischfleisch-Abteilung“ führt, habe ich endgültig genug. Ich gebe ihm ein Zeichen, dass er uns wieder hinaus führen soll aus diesem gigantischen und chaotischen Markt. Ich glaube, wir haben keine zwei Stunden geschafft. Obwohl, für einen Europäer war das schon eine Leistung! Fazit: Man muss diesen Markt unbedingt besucht haben. Er ist wie beschrieben groß, eng und chaotisch, aber dafür absolut authentisch. Er ist eben nicht für Touristen gemacht. Im übrigen habe ich auch keine anderen Europäer auf diesem Markt gesehen!
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