Trommelkurs mit Ekow

Es fällt mir schwer in der extrem stickigen und warmen Luft einen ruhigen Schlaf zu finden. Ständig schweißgebadet auf dem Bett zu liegen, da wird die Nacht schon zur Herausforderung. In diesen Momenten sehne ich mich dann doch nach einer Klimaanlage, auch wenn wir diese gewöhnlich nachts ausmachen. Aber selbst ein kleiner Luftzug oder besser noch ein Ventilator wären willkommen, um ein wenig Kühlung zu haben. Aber unsere Hütten haben alle keinen Strom. Und auch im Hauptgebäude setzt man vorwiegend auf Solarenergie. Das ist ökologisch sehr wertvoll und auch aus praktischen Gesichtspunkten ratsam. Denn immer wieder gibt es in Ghana Stromausfälle, die einige Stunden anhalten. Mit Solarenergie ist man hiervon unabhängig. Licht gibt es im Raum selber nur über zwei kleine Nachttischlämpchen mit Solarzellen und nachts steht auf unserer Veranda eine Öllampe, die abends angezündet wird. Auch der nächtliche Gang zur Toilette ist also nur mit Taschenlampe möglich. Aber all das nimmt man gerne in Kauf um fremde Kulturen kennen und verstehen zu lernen. Eine kulturell wichtige Rolle im zentralen Afrika spielt ganz ohne Zweifel die Trommel. KASAPA bedeutet „a good talk“ und ein Schwerpunkt im KASAPA Centre ist das Angebot an Trommel- und Tanz-Workshops. Hier wird mit Musik und Tanz Verständigung ohne Sprachbarrieren hergestellt. Schon immer war es mein Wunsch einmal selber zu trommeln. Diesen Wunsch werde ich mir in diesem Urlaub erfüllen. Da wir im Moment die einzigen Gäste sind, werde ich Privatstunden nehmen. Ich hatte Susanne allerdings vorgewarnt. Ich habe keinerlei Erfahrung, weder mit Trommeln noch mit anderen Musikinstrumenten. Sie meint, das sei kein Problem. Ekow heißt der Trommel Meister und ich habe die Ehre von ihm ganz persönlich in die Geheimnisse des Trommelns eingeführt zu werden. Im Schatten eines Baumes hat er zwei Klappstühle aufgebaut, die sich gegenüber stehen. Dazwischen stehen die Trommeln. Ich nehme Platz und er zeigt mir, wie ich die Trommel halten muss. Es handelt sich um eine Kpanlogo Trommel, eine sogenannte Fasstrommel, die aus einem Stück Holz herausgearbeitet ist. Innen ist sie hohl. Das Fell wird mit Holzpflöcken aufgespannt. Sie wird traditionell nur in Ghana gespielt. Damit der Klang besser entweichen kann, muss man sie leicht schräg zu sich hinziehen. Mit den Oberschenkeln hält man sie fest. Meine Ringe soll ich ausziehen, da sie beim Trommeln Schmerzen verursachen können. Wir üben die ersten Schläge. Mit der Mittelhand, die Finger etwas nach oben gebogen, schlage ich auf den Rand des Trommelfells. Zunächst nur mit der rechten Hand. Ekow gibt einen langsamen Takt vor. Dann versuche ich es mit der linken Hand. Die Schläge sind zunächst kraftloser, was ich an dem schwachen Ton erkenne. Zum Glück begleitet mich Ekow. So kann ich mich ganz auf die Bewegungen konzentrieren, ohne dass mich das magere Klangerlebnis meiner eigenen Schläge frustriert. Ekow ist sehr geduldig mit mir und macht alle Übungen so oft, bis ich nicht mehr aus dem Takt komme. Erst langsam steigert er die Geschwindigkeit der Schläge. Einen Basston erzeugt man, wenn man mit der flachen Hand auf die Mitte der Trommelfläche schlägt. Das Trommeln erfordert meine ganze Konzentration. Meine Umwelt nehme ich gar nicht mehr wahr. Ich höre nur den von Ekow vorgegebenen Takt. Rechts - links - rechts - links - Bass - Pause - rechts - rechts - links - Bass - Hände klatschen und wieder von vorne. So langsam kommt auch bei meinem Trommeln mehr Rhythmus hinein. Ich entspanne mich etwas und schaue Ekow beim Trommeln an und lache mit ihm. Dennoch bin ich hoch konzentriert. Nur ein einziger anderer Gedanke, zum Beispiel wie ich die Hand anders halten könnte, bringt mich sofort aus dem Rhythmus. Während einer kurzen Pause erzählt Ekow ein wenig von sich. Er ist vor wenigen Tagen 47 Jahre alt geworden und hat drei Kinder. Vor einem Monat ist er auch schon Großvater geworden, viel zu früh, wie er meint. In Ghana lege man großen Wert darauf, dass die Kinder eine gute Ausbildung machen, auch die Frauen. Erst danach sei Familienplanung angesagt. Das habe bei seiner Tochter nicht ganz so geklappt. Nun, solche „Unfälle“ gibt es bei uns auch. Nach einer Stunde Trommeln bin ich erschöpft, aber auch entspannt und zufrieden. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich bin froh, dass ich Einzelunterricht bekommen habe. So war die Erfahrung sehr viel intensiver als in einer Gruppe, zumindest für den Anfang. Morgen beginnen wir unsere Rundreise, aber wenn wir zurück sind im KASAPA, dann werde ich noch zwei oder drei Stunden bei Ekow Trommeln lernen. Darauf freue ich mich jetzt schon.
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