Buchara

Nach einer langen Busfahrt von Chiwa durch die Wüste Kisilkum kommen wir am späten Nachmittag in Buchara an. Schnell bringen wir die Koffer auf das Zimmer. Das Hotel liegt schön zentral. Ira erklärt uns, wie wir zur nahe gelegenen Altstadt - etwa 10 Minuten zu Fuß - gelangen.

Abends in der City

_DSC5974Wir machen uns mit Bernd, unserem Mitreisenden, auf den Weg und erkunden ein wenig die nähere Umgebung. So bekommen wir einen ersten Eindruck von dieser sehr lebendig wirkenden Stadt. Die Geschäfte sind noch geöffnet. Wir bummeln die Straße entlang bis zu den großen Kuppelbazaren, die wir morgen besuchen werden. Schließlich kehren wir zurück zu dem Platz mit dem großen Wasserbassin, den Labi Hauz. An diesem Ort gibt es viele Freizeitattraktionen für die Kinder. Es ist ein warmer Sommerabend und viele Einheimische sind unterwegs. Jung und Alt haben ihren Spaß. Es gibt Restaurants, aber auch einfache Kioske mit kleinen Tischen am Wasser, wo man nur etwas trinken kann. Wir lassen uns an einem der Tische nieder und bestellen drei große Bier um den tagsüber reichlich eingeatmeten Wüstenstaub weg zu spülen. Das bunte Treiben vor Augen genießen wir den kostbaren Moment, einmal frei zu sein von der übermächtigen Fülle an Vorträgen und Sehenswürdigkeiten der vergangenen Tage. Um uns herum füllen sich nach und nach die anderen Sitzgelegenheiten. Man trinkt Tee oder isst Eis. Fast niemand ist allein. Es sind Familien oder kleinere Gruppen von jungen Leuten, die sich am Abend treffen. Wir trinken jeder noch ein weiteres Bier und haben schließlich die richtige Bettschwere um zurück ins Hotel zu gehen. Es war ein schöner Abend. Ich hatte das Gefühl endlich einmal ein Stück authentisches Usbekistan kennen gelernt zu haben.

Besichtigungsprogramm am nächsten Morgen

Buchara ist eine der ältesten Städte Mittelasiens und wurde im ersten Jahrhundert vor Christi gegründet. Nachdem Dschingis Chan die Stadt um 1220 herum plündern lies und die Reste der Stadt durch ein großes Feuer niederbrannten, war es auch hier wieder Timur, der alte Bauten renovieren und neue Paläste und Infrastruktur errichten lies. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde Buchara unter Ulug’bek ein Zentrum der Kultur und Wissenschaft. Davon zeugen noch heute die vielen Studenten und Studentinnen, die das Stadtbild bereichern.

MedreseNadir Devon Begi

Medrese Nadir Devon Begi

Nach dem Frühstück steht Ira schon bereit. Sie erklärt uns, dass wir heute weite Wege zu laufen haben. In Buchara könne man alles zu Fuß erkunden. Zunächst gehen wir den uns nun bereits bekannten Weg zum Labi Hauz. Im Westen des Platzes befindet sich die Medrese Nadir Devon Begi. Man erkennt sie an den großen, farbenprächtigen Phantasie-Vögeln, die das Eingangsportal schmücken. unmittelbarer Nähe befindet sich das Denkmal des Hodscha Nareddin, einem orientalischen Till Eulenspiegel, dessen Geschichten und Lebensweisheiten vor allem von den umherziehenden Derwischen immer wieder neu erzählt wurden. Wir gehen schließlich weiter in Richtung der Bazare und machen Halt bei einem kleinen Marionetten-Theater und besuchen einen in Usbekistan bekannten Fotografen in seinem Atelier.

Kaffee-Pause

silk-road-teahouse

silk-road-teahouse

Bevor wir uns den Bazaren widmen machen wir eine kleine Kaffee-Pause. Vom Reiseveranstalter war „Deutsche Eck“ empfohlen worden. Aber direkt daneben befindet sich ein einheimisches Kaffee- und Teehaus , das silk-road-teahouse. Am Eingang stehen auf einem niedrigen Tisch angeordnet zahlreiche kleine und größere Säcke mit verschiedenen Teesorten und den unterschiedlichsten Gewürzen, die einen herrlichen Duft verströmen. Im Inneren des Kaffeehauses gibt es viele Antiquitäten zu sehen, neben alten Messinggefäßen auch ein Stapel viel gelesener Bücher.

Wir nehmen an einem der großen Tische Platz und bestellen Kaffee mit Kardamom, eine Spezialität des Hauses. Wir genießen die leise im Hintergrund spielende traditionelle Musik und die gemütliche Atmosphäre. Es war eine gute Empfehlung von Ira.

Kuppel-Bazare

Kuppelbasare in Bukhara

Kuppelbasare in Bukhara

Gestärkt gehen wir zu dem großen Bazar in Buchara. Der Bazar besteht aus mehreren großen Gewölben mit Kuppeldächern. Dort gibt es zahlreiche Geschäfte mit verschiedenartiger Handwerkskunst. Vor den Läden stapeln sich die Waren dicht an dicht, so dass die einfachen Holztische unter der Last fast zerbersten. Auch die schlichten Wände sind über und über behangen mit kostbaren Teppichen, kunstvoll bestickten Tischtüchern, Keramik, Miniaturbildern, Instrumenten und vielem mehr. In einem Geschäft lassen wir uns Teppiche und einige der handbestickten Tischdecken zeigen. Nach einigem Abwägen kaufe ich eine etwas kleinere Decke aus Seide für den Esstisch zu Hause.

Kalon-Ensemble

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in der Medrese Miri Arab

Es geht weiter, das Besichtigungsprogramm ist noch lange nicht zu Ende. Wir wenden uns dem Kalon-Ensemble zu. Der 50 m hohe Turm des Minaretts gilt als das Wahrzeichen Bucharas. Neben der religiösen Funktion diente er auch als Leuchtturm für die Karawanen und als Wachturm zum Ausspähen von herannahenden Feinden. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte er eine weniger rühmliche Funktion, in dieser Zeit wurden zum Tode Verurteilte von diesem Turm einfach hinunter geworfen. Das hat wahrscheinlich keiner überlebt. Somit scheint diese Todesart sicherer zu sein als die Giftspritze im heutigen Amerika! Unmittelbar neben dem Minarett befindet sich die Moschee Kalon und gegenüber ist die Medrese Miri Arab zu sehen, die heute noch dem Studium der Islam-Wissenschaft dient.

Moschee Bolo Hauz und Samariden Mausoleum

Bevor wir unser Endziel für heute - das Samariden Mausoleum - erreichen, machen wir einen kurzen Abstecher zur Moschee Bolo Hauz. Moschee und Minarett liegen an einem großen Wasserbassin, daher wieder der Name „Hauz“. Die offene Vorhalle der Moschee wird von 20 reich verzierte und bemalte Holzsäulen getragen. Wir verweilen nur kurz an diesem Ort, da Renovierungsarbeiten durchgeführt werden und die Handwerker reichlich Lärm verursachen._DSC6234 Der Himmel verdunkelt sich allmählich. Kurz bevor wir das Samariden Mausoleum erreichen, gießt es wie aus Kübeln. Wir rennen die letzten Meter und sind froh im Innern des Mausoleums Schutz vor dieser Regenschauer zu finden. Deshalb gibt es nur ein paar Fotos vom Inneren des Gebäudes. Schade eigentlich. Denn das Mausoleum besticht durch seine Schlichtheit. Das Bauwerk ist streng quadratisch wie ein Würfel, mit einer Kuppel als Dach. Sowohl für den Bau selber als auch für die Verzierungen hat man nur gebrannte, unglasierte Ziegel verwendet. Der Regen hört leider nicht so schnell auf. Ira ruft schließlich über Handy unseren Bus herbei. So müssen wir nur ein paar Schritte bis zur Straße laufen um schließlich trocken in unser Hotel zurück zu gelangen.

warten auf das Ende des Regens im Samaniden Mausoleum

warten auf das Ende des Regens im Samaniden Mausoleum

 
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